Steuergerät "einfahren"

Dieses Thema im Forum "Allgemeines" wurde erstellt von mito, 02.09.2008.

  1. mito

    mito Benutzer

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    Hallo,
    auch wenn ich jetzt von den erfahrenen Usern Prügel beziehe - ich frage trotzdem ;)
    Ich habe hier öfter im Forum gelesen, dass man das Steuergerät nach einem Reset oder langem Batterie abklemmen wieder einfahren soll. Also eine Weile Stadtverkehr, dann Autobahn, dann Landstraße ... Das klingt mir ziemlich nach Voodoo und mit 'nem Edding den Rand einer CD schwarz malen.
    Ganz im Ernst - Was soll das Steuergerät denn lernen?
    Was wäre denn, wenn ich ein Auto von 'ner Oma kaufe, die immer geschlichen ist? Müsste ich die Karre dann auch erst resetten :lol:
     
  2. AdMan

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  3. JBS

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    Nein müsstest du nicht, aber du müsstest den Wagen langsam einfahren.

    Wenn die Oma immer nur "geschlichen" ist, keine Autobahn, nur zum Aldi und zurück.

    Naja, dann hast du nicht lange was vom Auto, wenn du dann direkt beim 1. mal durchziehst.


    Mein auto gehörte auch einer ü 70 Omi und ich denke, so wie der Wagen jetzt läuft etc. hab ich Ihn gut "umgepolt"


    Was das Steuergerät neu lernt?


    Leerlauf werte, verschleiss status etc.

    Hast du das schonmal gemacht?

    Der Wagen läuft wie ein Eimer scheisse wenn du den nach dem Batterie abklemmen etc. wieder anwirfst.

    Theoretisch müsste man das nicht neu anlernen, es "lernt" ja eh beim Normalen alltags gebrauch.

    Nur Ford macht das halt, um seinen Kunden ein voll funktionstüchtiges Auto auszuliefern.

    Wie würdest du es finden, wenn du ein Auto für 80.000€ Kaufst und die dir dann ne Anleitung in die Hand drücken in der steht das du das Steuergerät noch selbst "programmieren" musst. ;)
     
  4. mito

    mito Benutzer

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    Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht wirklich. Es ist mir schon klar, dass ich eine solche Karre dann nicht gleich quälen sollte. Aber das sind doch dann eher Dinge von Motor und Getriebe und nicht Elektronik, oder?

    Was soll denn da "umgepolt" werden. Ich kann doch aus dem Oma-Auto keine WRC Karre machen und umgekehrt. Das liegt wohl eher daran, dass der (Sorry) ganze Rotz mal rausgeblasen wurde.

    Kann ich nicht bestätigen.

    Na was denn nun? Hat Ford das programmiert/angelernt und gut ist - auch nach Batterei abklemmen, oder nicht ...
    Also richtig erleuchtet bin ich noch nicht.
     
  5. N-Jay

    N-Jay Forum As

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    ich hab da ehrlich gesagt wenig ahnung von, aber meine erfahrung bisher war:
    wenn ich längere zeit "piano" gefahren bin, also eher sparsam, hat der motor sich auf sparsames fahren eingestellt ("kennfelder umgestellt" oder sowas hab ich mal in dem zusammenhang aufgeschnappt)
    irgendwann mal wieder zwei-drei sprints auf 100 gemacht, geht das auto am nächsten tag auch im normalbetrieb etwas spritziger und leichter auf die 100, auch überholen ging wieder schneller.
    aber ob steuergerät oder "freiblasen" den unterschied ausgemacht haben, kann ich leider nicht beurteilen.
     
  6. #5 MucCowboy, 02.09.2008
    MucCowboy

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    So, dann mal die Erklärung zur ursprünglichen Frage, bevor noch mehr hier durcheinandergerührt wird ;)

    Durch das Abklemmen der Batterie geht im Steuergerät der flüchtige Speicher verlören, so wie der RAM im PC. In diesem Speicher legt das Steuergerät die Fehlercodes und sogenannte Laufzeit-Korrekturtabellen ab. Was ist das?

    Das Steuergerät regelt ständig die Mengen und Zeitpunkte von Einspritzung und Zündung. Für diese Berechnung - die übrigens raaaasend schnell erfolgt, pro einzelner Zündung (!) sind 20 - 50 Rechenschritte nötig - verwendet es eine Reihe von Input-Daten:
    > was der Fahrer befiehlt (Drosselklappe, Bremse, Kupplung)
    > was aktuell zum Motor kommt (Lufttemperatur, Luftmasse)
    > was der Motor aktuell macht (Stellung von Nockenwelle, Kurbelwelle, Fahrgeschwindigkeit, Temperatur und noch viel mehr)
    > und vom Werk eingespeicherte Wertetabellen, die sog. Kennfelder.

    Diese Wertetabellen gehen vom Normalzustand des Motors aus. Aber im Laufe des Alters hat der Motor Verschleiß, also passen diese Tabellen nicht mehr ganz. Woran merkt das die Steuerun? Ganz einfach: sie misst, was hinten rauskommt - wörtlich gesehen: die Lamdasonde analysiert den Restsauerstoff im Abgas, also wie gut die Verbrennung war. Ist sie schlecht, regelt die Steuerung entsprechend nach und prüft wieder - und wieder - und .....

    Wenn da jetzt mehr als 50 mal ein Nachregeln nötig ist (sogenanntes LTFT - Long Term Fuel Trim), dann speichert das Steuergerät einen Korrekturwert in diesen flüchtigen Speicher, der ab sofort zur Berechnung mit herangezogen wird. Im Laufe der Zeit baut sich so eine Tabelle aus solchen Werten auf, eben die besagte Korrekturwerttabelle. Dies ist die Selbstlernfähigkeit des Steuergerätes. Damit passt es sich lang anhaltenden Veränderungen im Motorbetrieb an. Meist wegen Verschleiß, schlechtem Öl, dünnerer Luft (wegen Höhenlage), dauerhaft anderem Kraftstoff, aber auch wegen anderem Fahrverhalten.

    Warum ist der Speicher nicht permanent sondern flüchtig? Auch ganz einfach: damit man ihn einfach resetten kann. Batterie ab oder die 3A-Sicherung ziehen - und schon ist das Modul im Urzustand. Läuft er dann eigentlich ganz gut, ist kaum Verschleiß.

    Dieses empfohlene Einfahr-Procedere ist also kein Voodoo, sondern hilft dem Motorsteuergerät, nach einem "Flash" (Reset) sich wieder dem tatsächlichen Motorverhalten anzupassen und fortan optimal zu regeln.

    @JBS: Was Dein Oma-Auto betrifft: Das Steuergerät hättest Du ganz schnell wieder auf Werkszustand bringen können, 3A-Sicherung raus und rein und fertig. Nur Dein Motor ist auf lange Zeit nicht vernünftig heißgefahren und hochgedreht worden. Das kann zu Ablagerungen führen, die erst mal weg müssen. Auch eine Art von Einfahren. Bei aller Technik, der Motor selber ist auch ein "Gewohnheitstier".

    Grüße
    Uli
     
    _zitroneneis_, Polenta, Chris-92 und einer weiteren Person gefällt das.
  7. N-Jay

    N-Jay Forum As

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    ah, okay, danke für die ausführliche erklärung! jetzt versteh ich auch endlich mal, was da eigentlich passiert:top1:
     
  8. mito

    mito Benutzer

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    @ MucCowboy
    Respekt für die gute und ausführliche Erklärung.

    Ich ziehe daraus folgende Schlüsse:

    1. kein Voodoo :rotwerden:
    2. für meine neue Karre ist das Anlernen nicht nötig.

    Wenn ich mit meinen knapp 500 km beim Basteln (Radio, Freisprecheinrichtung etc.) laufend mal die Batterie abklemme, muss ich nicht laufend diese Prozedur machen, weil bei 500 km wohl noch kein relevanter Verschleiß aufgetreten sein sollte, der Auswirkungen auf das Motormanagement hat. Also halt ich erst mal die Füße still und warte auf viele schöne km mit meinem FoFi.
     
  9. titus

    titus Benutzer

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    Auch von mir ein dickes Dankeschön für die kompetente Erklärung!

    Wie lange braucht er denn, bis er wieder vernünftige Werte hat, und könntest Du mir ähnlich fundiert die Glaubensfrage beantworten, ob es bei lediglich lamda-geregelten Gasanlagen (z.B. Venturi, ohne Abgfriff Motorsteuergerät) Sinn macht, ihn auf Gas lernen zu lassen?

    Danke!
     
  10. AdMan

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  11. #9 Ford-Magenta, 06.11.2010
    Ford-Magenta

    Ford-Magenta Ford KA RU8 1.2 Destroyed

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    Ford KA RU8 2009 1.2l Destroyed
    also welche sicherung müsste man ziehen wo genau ist die ?
    und wenn ich beispielsweise ultimate tanke mit 102 oktan und der mit 95 oktan standard ja währe dann müsste ich für kurze zeit ja mehr leistung haben oder is das theoretisch falsch ? oder geht das anlernen zu schnell?
     
  12. #10 HeRo11k3, 07.11.2010
    HeRo11k3

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    Laut Bedienungsanleitung: Einige Kilometer. An meinem alten Toyota habe ich das mal beobachtet (hatte da eine Lambdaanzeige eingebaut) und da war es tatsächlich meistens weniger als ein Kilometer, bis der Lambdawert bei konstanter Last meistens gestimmt hat, die Übergänge bei Lastwechsel, Volllastanreicherung, Schubabschaltung waren nach 5km meist auch korrekt.

    Im Prinzip sollte die Gasanlage so eingestellt sein, dass bei korrektem Einspritztiming im Benzinbetrieb auch das Timing im Gasbetrieb stimmt. Wenn dem nicht so ist, würde ich den Umrüster nerven...

    Was heißt denn "ohne Abgriff Motorsteuergerät"? Das Steuergerät der Gasanlage muss doch zumindest die Einspritzung abschalten, da wird es doch wohl die Signale zu den Einspritzventilen irgendwie verwerten - wäre doch doof, quasi ein komplettes zweites Motormanagement einzubauen...

    Das ist theoretisch falsch.

    Ultimate hat eine höhere Oktanzahl als Super, das heißt, man könnte den Motor höher verdichten (mechanische Änderung) oder höheren Ladedruck fahren (bei Turbos) ohne dass die Verbrennung klopft. Solange man das nicht tut (und der Motor wirklich so abgestimmt ist, dass er seinen optimalen Zündzeitpunkt mit Super erreicht) bringt eine höhere Oktanzahl keine Mehrleistung.

    Ultimate hat keinen höheren Energiegehalt als Super. Es wird außerdem auch immer noch die gleiche Menge Luft gebraucht, um die gleiche Menge Sprit zu verbrennen und damit die gleiche Energie freizusetzen.

    MfG, HeRo
     
Thema:

Steuergerät "einfahren"

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