Urteil der Woche - Ohne Absicherung kein Schmerzensgeld

Diskutiere Urteil der Woche - Ohne Absicherung kein Schmerzensgeld im Recht, Gesetz & Versicherung Forum im Bereich Ford Forum; Das Absichern der Unfallstelle ist oberstes Gebot. Wer das versäumt, verliert seine Ansprüche. Wenn es auf der Straße kracht, gibt es schnell...

  1. Thomas

    Thomas Forum Profi

    Dabei seit:
    17.08.2003
    Beiträge:
    1.157
    Zustimmungen:
    2

    Das Absichern der Unfallstelle ist oberstes Gebot. Wer das versäumt, verliert seine Ansprüche.



    Wenn es auf der Straße kracht, gibt es schnell Streit. Denn trotz Straßenverkehrsordnung sind beileibe nicht alle Unfälle des Verkehrslebens geregelt. Für jeden Fall die richtige Bewertung und Begründung zu finden, dafür gibt es Richter. Und um deren Urteile zu verstehen, braucht es nicht selten einen Anwalt, wie der folgende Leitsatz zeigt.

    "Fährt bei Dunkelheit der Fahrer eines Pkw unter Mißachtung des Gebotes des Fahrens auf Sicht beim Ausweichen vor einem liegengebliebenen Fahrzeug auf ein anderes Fahrzeug auf, das gegen den an der Mittelleitplanke stehenden Fahrer des liegengebliebenen Fahrzeugs geschleudert wird, der sein Fahrzeug unzulänglich gesichert hatte, tritt der Verstoß des erstauffahrenden Fahrers bei der Haftungsabwägung hinter dem Verschulden des Verletzten zurück, sodaß ein Schmerzensgeldanspruch ausscheidet."

    Alles klar? Natürlich nicht, deshalb hier die Übersetzung von der Arbeitsgemeinschaft der Verkehrsrechtanwälte im Deutschen Anwaltverein: Es geht um einen Autobahn-Unfall bei Nacht mit insgesamt drei Autofahrern. Der erste baute einen Unfall auf der Autobahn Darmstadt-Frankfurt und blockierte mit seinem Auto die ganz linke Spur. Der Warnblinker funktionierte nicht, an das Warndreieck kam der Fahrer im verbeulten Kofferraum nicht heran. Also flüchtete der Mann an der Mittelleitplanke in Fahrtrichtung, vom Auto weg.

    Es kam, wie es kommen mußte. Ein zweiter Fahrer auf der Strecke rauschte so schnell heran, daß er nur mit Mühe dem Unfallwagen ausweichen konnte, dabei aber ein drittes Fahrzeug rammte. Nummer drei schleuderte gegen die Mittelleitplanke, an der noch der Fahrer Nummer eins stand und verletzte ihn schwer. Fahrer Nummer eins wollte deshalb von Fahrer Nummer zwei Schmerzensgeld und klagte vor Gericht.

    Doch das Oberlandesgericht Frankfurt (Az. 24 U 135/2002) sah dafür keinen Grund. Der wahre Schuldige sei nämlich Fahrer Nummer eins, weil er auf der schnellsten Fahrspur sein Auto völlig ungesichert, quasi als "Todesfalle" zurückgelassen habe, urteilten die Richter. Dabei sei gerade die Absicherung einer Unfallstelle erstes und oberstes Gebot. Ähnlich hat jüngst das kleine Amtsgericht Schwelm nach einem Glatteis-Unfall entschieden.

    Auch bei kaputtem Warnblinker und fehlendem Warndreieck hätte der schuldige Fahrer auf keinen Fall die Unfallstelle in Fahrtrichtung verlassen dürfen. "Moralisch und rechtlich" sei der Fahrer verpflichtet gewesen, dem Verkehr entgegenzugehen und ihn zu warnen, zum Beispiel durch Handzeichen oder das Schwenken eines Kleidungsstücks. Das wäre auch ohne unangemessenes Risiko für Leib und Leben auf dem mittleren Grünstreifen möglich gewesen. Das Risiko nach vorn zu laufen sei zudem nicht geringer, wie der Unfall beweise.

    Der Fall zeigt erneut, wie hoch die Meßlatte nach einem Unfall liegt – ein Crash-Fahrer muß alles in seiner Macht Stehende tun, um andere zu warnen. Wer unverhofft in so eine Unfallstelle fährt, haftet also nicht automatisch. Um seine Ansprüche durchzusetzen, braucht es oft anwaltlichen Rat. Den gibt es bei der Deutschen Anwaltauskunft.
     
Thema:

Urteil der Woche - Ohne Absicherung kein Schmerzensgeld

Die Seite wird geladen...

Urteil der Woche - Ohne Absicherung kein Schmerzensgeld - Ähnliche Themen

  1. Urteil der Woche - Handy am Steuer

    Urteil der Woche - Handy am Steuer: Anfassen erlaubt Handy am Steuer – ein schwieriges Thema. Das OLG Köln stellte klar: Es gibt einen Unterschied zwischen "Anfassen" und...
  2. Urteil der Woche - Der Hammer hat das letzte Wort

    Urteil der Woche - Der Hammer hat das letzte Wort: Über dem Hammer des Auktionators steht der des Richters. Und der hat entschieden, daß ein eBay-Angebot nicht widerrufen werden kann. Wer...
  3. Urteil der Woche - Funzel mit Folgen

    Urteil der Woche - Funzel mit Folgen: Ein Fahrrad ohne Beleuchtung kann im Falle eines Unfalls richtig teuer werden. Auch Batterielampen reichen laut Gesetz nicht aus. Wer im...
  4. Urteil der Woche - Blau über Rot gerauscht

    Urteil der Woche - Blau über Rot gerauscht: Wer angeheitert eine rote Ampel überfährt, gehört bestraft – er muß aber nicht gleich den Lappen abgeben, entschied das Landgericht Berlin....
  5. Urteil der Woche - Katzenjammer zwecklos

    Urteil der Woche - Katzenjammer zwecklos: Niemand muß übervorsichtig fahren, nur um rechtzeitig einer Katze oder anderen freilaufenden Haustieren ausweichen zu können....
  1. Diese Seite verwendet Cookies um Inhalte zu personalisieren. Außerdem werden auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Mit dem weiteren Aufenthalt akzeptierst du diesen Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden